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Kuba Verhaltenstipps für die Kuba-Reise

Dieses Thema im Forum "Überregional: Ausland" wurde erstellt von PCox, 14. Juli 2019.

  1. PCox

    PCox Obersachse

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    Ich dachte, nachdem ich letzte Woche ein paar Tipps zur direkten "Akquise" für Kuba hinterlassen habe, schiebe ich hier noch eine kleine allgemeininformative Ergänzung hinterher. Ohne mich hier als großen Kenner aufspielen zu wollen (war wie gesagt nur einmal dort, wenn auch für mehrere Wochen), würde ich ganz ehrlich sagen, dass Kuba anders ist, als jedes andere Land der Welt - die Mischung aus Insel und Kommunismus führen zu einer sehr eigenen Stimmung und Mentalität, bei der man als Tourist gleich doppelt als Fremder wahrgenommen wird.
    Die folgenden Tipps sollen dazu dienen, grobe Schnitzer zu vermeiden - ich bleibe dabei, dass Kuba ein wunderbares Fleckchen Erde ist, das jeder Interessierte einmal gesehen haben sollte, auf der anderen Seite ist es in der gegenwärtigen Situation auch voller kleinerer und mittelgroßer Fallen, in die man leicht hineintreten kann. Sämtliche Ratschlage basieren auf meinen subjektiven Erfahrungen und sind vielleicht nicht zu 100% verallgemeinerbar; noch dazu war meine Reise 2012 und mit Sicherheit hat sich einiges geändert, wer in der Zwischenzeit dort war, darf mich gerne korrigieren bzw. ergänzen.

    1. Sicherheit
    - Meiner Sicht der Dinge nach muss man als Tourist auf Kuba nicht um Leib und Leben fürchten. Taschendiebstahl ja, Trickbetrug ja, Gewaltkriminalität eher nicht - die Strafen im Land sind immer noch drakonisch, und anders als in anderen Ländern Lateinamerikas sind bei der Normalbevölkerung keine Schusswaffen im Umlauf. Das soll nicht heißen, dass es nicht doch passieren kann, ich sage nur, dass ich mich in allen möglichen Stadtvierteln von Havanna (und streckenweise auch anderen Städten) spätabends herumgetrieben habe bzw. abends allein nach Hause gelaufen bin - passiert ist nie etwas und unsicher habe ich mich auch nie gefühlt.
    Natürlich, im Zweifelsfalls lieber Vorsicht, als Nachsicht, was ich damit sagen möchte, ist, dass man den Sonnenuntergang auf Kuba nicht zum Anlass nehmen sollte, sich im Zimmer zu verbarrikadieren.

    2. Währung und Geld - Kurz und Knapp: Auf Kuba existieren zwei Währungen, normale Pesos für die Normalbevölkerung, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt werden, und sg. CUC/Touristendollars für die Ausländer, welche die eigentliche Kaufkraft haben. Kuba beschreibt sich als klassenlose Gesellschaft, aber spätestens mit der Einführung dieses Parallelsystems, haben sie das genaue Gegenteil erreicht, denn seitdem zerfällt die Bevölkerung in eine Fraktion, mit Zugriff, und eine ohne Zugriff auf eine schlagkräftige Währung - was nichts anderes bedeutet,als dass Menschen, die in der Tourismusbranche arbeiten und Trinkgeld bekommen (Zimmermädchen, Taxifahrer, Kellner etc.) im materiellen Sinne besser gestellt sind, als ein Arzt, ganz einfach weil ihr Geld tatsächlichen Tauschwert hat.
    Als ich da war, betrug der Wechselkurs ca. 1 / 10, ich weiß nicht, ob sich die Lage inzwischen gebessert hat, aber ich wage zu behaupten, dass jeder Kubaner, immer noch seine eigene Großmutter für auch nur einen CUC die Treppe hinunterschmeissen würde.
    Um den Stress zu minimieren und sich nicht zu sehr zu ärgern, empfehle ich, gar nicht erst zu versuchen, dieses System zu berechnen, geschweige denn zu kapieren - nach meinem Dafürhalten kann man den Betrug lediglich minimieren, aber nie verhindern. Denn die Bevölkerung nutzt das Unwissen des Ausländers natürlich schamlos aus, in dem der Betreiber behauptet, die Preise in Kleinrestaurants oder im Taxi wären in CUC angegeben; denn kannst du das Gegenteil beweisen?
    Um das Urlaubsvergnügen nicht zu versauen und den Frust gering zu halten, würde ich einfach dazu raten, zu akzeptieren, dass dir in diesem gebeutelten Land unweigerlich Geld durch die Lappen gehen wird - einziger Tipp, den ich geben kann, ist, dass in Restaurants und Touristenläden die Preise in CUC sind (und auch vertrauenswürdig sind), Taxi- und Rikschafahrer in Pesos entlohnt werden.
    Bevor man sich auf eine Diskussion einlässt (denn man will den Urlaub schliesslich genießen), lieber einen CUC als Standardpreis anbieten, und maximal auf zwei hochgehen, und wenn immer noch geschachert wird, einfach aussteigen - das hilft normalerweise sehr gut, denn niemand möchte, dass sein Kollege die kostbaren Touri-Dollars einstreicht (s. Punkt 3).
    Klingt nach einer großen Schweinerei, und ist es auch, und die Menschen können einem wirklich leid tun - man darf sich halt bei der Partei bedanken.
    Und dass die Mädels in CUC bezahlt werden wollen, versteht sich von selbst

    3. Das erste Angebot ablehnen (immer)
    - ein Satz, den man als Tourist auf Kuba so oft hört, dass man irgendwann amoklaufen will, ist "Taxi Amigo?" Egal ob im Zentrum oder am Busbahnhof, du, der Mann mit den Dollars, bist der Geldautomat auf zwei Beinen und jeder, der eine Dienstleistung anbietet, wird sich darum reissen, dein Geld zu bekommen. Preise sind nirgends festgelegt, und jeder rechnet damit, dass du das Währungssystem nicht kapierst, daher wird aus reiner Verzweiflung natürlich zu Anfang der Höchstpreis veranschlagt, denn irgendein Dummer findet sich bestimmt. Wenn dir also 5 CUC zugerufen werden, schüttele den Kopf und geh zum nächsten Taxifahrer- mit ziemlicher Sicherheit wird der andere sofort auf 1 CUC runtergehen. Über den genauen Rabatt will ich hier keine Angaben machen, aber dass er gegeben wird, habe ich hundertmal erlebt.
    Und mit diesem Schritt kannst du dir bereits auf die Schulter klopfen - denn damit hast du bereits "Level 2" auf der Erfahrungsskala des Kuba-Touristen erreicht. Andere mussten diesen Schritt nach mehreren Trial/Error-Vorfällen vollziehen - ich werde jedenfalls nie das entgeisterte Gesicht meiner Gastfamilie vergessen, als ich ihnen bedenkenlos erzählte, dass ich in der Innenstadt 3 CUC (irgendwas um 15 Euro) für einen Haarschnitt bezahlt habe. Das nur noch einmal um den Irrsinn deutlich zu machen.

    4. Taxifahrten vermeiden - wohnst du in einem Vorort (näheres unten) und willst ins Zentrum? Mach das, was alle Kubaner machen, stell dich an den Straßenrand und streck bei jedem vorbeifahrenden Auto den Arm aus. Diese "Collectivos" sind das maßgebliche Transportmittel in den Städten, und der Autofahrer (meistens ein Privatmann) wird sich nicht darum scheren, ob du Tourist bist - man sitzt schweigend nebeneinander (meistens mit noch anderen Kubanern) und geht nach Entrichtung eines kleinen Obolus (bei mir 1 CUC, die anderen haben in Pesos bezahlt) seiner Wege - kein Geschacher, kein Gelaber, und wenn du nur ins Zentrum/zurück willst, funktioniert das, in der Regel immer. Busse kannst du vergessen, du wirst warten, bis du schwarz wirst.

    5. Kein Hotel, such dir etwas privates
    - das hatte ich im anderen Bericht schon angeschnitten. Viele Touristen fahren nach Kuba um einen Erholungsurlaub zu machen (was durchaus möglich ist), und das ist meiner Ansicht nach ein großer Fehler - man fliegt entweder nach Kuba um ein Abenteuer zu erleben, oder man lässt es lieber ganz. In den Hotels wird den Touristen ein Alltag vorgegaukelt, der mit der kubanischen Realität rein gar nichts zu tun hat - das fängt bei einer simplen Zitronenscheibe im Drink an und hört bei Warmwasser und Internet auf.
    Viele Kubaner vermieten Räume oder ganze Etagen, und in einem Privathaushalt hast du die Chance den Alltag mitzubekommen, wie er wirklich ist- und das können wirklich nicht viele Westeuropäer von sich sagen. Stromausfälle, die abgewogene Wochenration Bohnen auf Lebensmittelkarte - hier ist es Normalität.
    Es gibt zweierlei Möglichkeiten an eine Unterkunft zu kommen: Am Busbahnhof wird dich die übliche Schar von Menschen erwarten, die dich alle in Ihre Bude zerren wollen (keine Übertreibung); also studier die Fotos, und Infos, die sie dir zeigen und such dir etwas aus; wenn du mehr Zeit hast, dann flanier durch die Stadt, in der du gerade bist. Familien, die etwas zu vermieten haben, signalisieren dies, mit einem kleinen Schild, das einen blauen Anker zeigt - einfach anklopfen und fragen; das Ankerschild findet man fast an jedem zweiten Haus.
    Das direkte Abzockrisiko ist bei Untervermietung relativ gering, da die Regierung den Kubanern zwar diese kleine wirtschaftliche Freiheit erlaubt hat, jedoch gleich einen Pauschalpreis mit reingedrückt hat: Sprich, egal ob Besenkammer oder Loft, der Preis ist derselbe.
    Mag sein, dass sich dies mittlerweile geändert hat, aber als ich dort war, konnte man mit ein wenig Geduld tatsächlich das beste Stück fürs ich auswählen - ganz einfach weil Meerblick soviel kostet wie Blick auf die Ziegelmauer. Danke Marx und Fidel :D

    6. Keine "Gefälligkeiten" annehmen (oder vorher nachfragen) - Das direkte Abzockrisiko mag bei Mietsachen gering sein, das Indirekte bleibt aber bestehen. Sprich: Jede kleine Aufmerksamkeit, jede Weintraube und jeder Rum, der dir "zur Begrüßung" angeboten wird, wird dir später auf der Rechnung präsentiert werden - wie der Preis zustande kam, ist dabei nicht nachzuvollziehen; also im Zweifelsfall lieber vorher einmal nachfragen.
    Das gleiche gilt auch für Begegnungen auf der Straße - es kann gut sein, dass, wenn du gerade irgendwo alleine sitzt, sympathische Leute zu dir kommen, dich in unverfängliche Gespräche verwickeln und dir einen Rum einschenken - wenn sich das ganze dann nach einigen Minuten auflöst, werden sie dich dann anbettelt, für das Glas einen CUC springen zu lassen.
    Die Ausgabe ist dabei nicht so schlimm, es geht eher um das Kalkül

    7. Keine "Gefälligkeiten" annehmen II / Nichts kaufen - Wenn du bei einer privaten Familie wohnst, dann ist es durchaus nicht unwahrscheinlich, dass dir bald ein Schwager/Cousin/Bruder vorgestellt wird, der angeblich in einer Cohiba-Manufaktur arbeitet, und dir die besten Zigarren zu einem Spottpreis beschaffen kann.
    Mein unverbindlicher Ratschlag: Lass(t) es bleiben, es ist in 99 von 100 Fällen eine Masche, und böse Zungen munkeln ohnehin, dass die kubanischen Zigarren mittlerweile massiv an Qualität eingebüßt haben, weil die Bauern nicht mehr an hochwertigen Dünger etc. kommen.
    Selbiges gilt für Straßenkäufe, gerade wenn es um angebliche Antiquitäten geht. Daher hier meine Warnung vor dem ältesten Trick der Insel: Die CheGuevara-Münze, die dir der Typ hinhält, ist kein Unikat, sie ist alltägliches kubanisches Zahlungsmittel und hat auch nur genau diesen Wert- keinen.
    Es gibt wie immer Ausnahmen (kleine Flohmärkte etc.), und generell gilt die Regel: Preise von 1 - 3 CUC sind ok, und handeln ist auch immer eine Option.

    8. Lokale Kontakte nutzen
    - klingt alles bisher vielleicht ziemlich abschreckend, aber gerade (ich betone es nochmal), wenn man privat untergekommen ist und freundlich auftritt, dann kann man auf Kuba sehr nette und aufgeschlossene Menschen kennenlernen, die einem gerne bei diesem oder jenem, Ratschlägen oder Kontakten (der Cousin, der in der anderen Stadt ein Zimmer zu vermieten hat etc.) behilflich sind.
    Kauf nach ein paar Tagen im Touristenladen eine Flasche Havanna Club-Rum und bring sie deinem Vermieterpärchen mit - dann sieh, wie ihre Augen leuchten. Denn der echte kubanische Markenrum ist immer noch tausendmal billiger, als bei uns, jedoch für einen Normalkubaner immer noch unerschwinglich.

    9. Sprachreise?
    - Das angenehme mit dem Nützlichen verbinden? Sich direkt ins Abenteuer stürzen? Warum nicht Spanisch auf Kuba lernen? Das ist durchaus möglich (oder war zumindest möglich, als ich dort war, denn ich habe es getan :D ) - dir wird vieles in Sachen Planung und Organisation abgenommen, du bist sofort mit anderen Leuten zusammen, und sehr viel von dem lokalen Touristenprogramm (Ausflüge etc.) wird von der Schule organisiert, so dass du im ganzen weniger zahlst, als wenn du es selbst buchst.
    Ich habe das gemacht, und auch wenn das kubanische Spanisch im internationalen Maßstab vielleicht nicht gerade das lernerfreundlichste ist, war das im ganzen eine wunderbare Erfahrung, und ich empfehle eigentlich jedem, die Insel auf diese Art und Weise kennenzulernen, anstatt auf eigene Faust loszuziehen oder sich in einem Hotel zu verbunkern.

    Dies mal als kurzer nicht Gewerbe-bezogener Einwurf für die Auslandssektion - andere Kuba-Fahrer dürfen gerne ihre zwei Pesos dazuwerfen.
     

  2. Paybackmax

    Paybackmax Sachsenlegende

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    Das ist doch mal ein netter Beitrag. War spaßig zu lesen. Auch wenn ich wohl weder nach Kuba reisen werde - noch dort mein bevorzugter Frauentypus zu Hause ist.
     

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